Dienstag, 11. August 2015

KOS-STADT: SEHEN STAUNEN GENIESSEN

Hallo ihr Lieben,



bevor ich mich nächste Woche in den Urlaub am Gardasee verdrücke, geht es noch einmal zurück auf die wunderschöne Insel Kos. Unser dortiges Urlaubshotel habe ich euch ja bereits vorgestellt, nun möchte ich euch gerne zu einem Ausflug mitnehmen, den wir gemacht haben.

Immer nur am Pool liegen geht nicht ganz, zumindest einmal in der Woche möchten wir auch etwas von Land und Leuten sehen. Von den angebotenen Ausflügen des Reiseveranstalters hätte uns lediglich eine Bootsfahrt auf die Insel Nisyros interessiert, auf der es einen halbaktiven Vulkan und original griechische Bergdörfer zu bestaunen geben soll. Irgendwie konnten wir uns aber nicht aufraffen zu buchen und als dann noch mein Sohn krank wurde, hatte sich die Sache sowieso erledigt. Wir beschlossen also, einen Halbtages-Ausflug auf eigene Faust zu machen und begaben uns in

DIE HAUPTSTADT DER INSEL



Im Angebot der Ausflüge waren auch ein Ausflug „Kos bei Nacht“ und „Kos bei Tag“ für 10 Euro pro Person. Unser Reiseleiter machte uns aber darauf aufmerksam, dass sich das nur für Urlauber lohnen würde, die weiter weg von Kos-Stadt untergebracht sind. Tigaki liegt ja nur 5 km von der Inselhauptstadt entfernt, der Bus hält direkt vor dem Hotel, fährt zu jeder vollen Stunde und die Fahrt kostet einfach 2 Euro pro Person. Zeitlich ist man auch noch ungebundener und so machten wir uns an einem Urlaubtag gegen 11 Uhr auf.

An der Bushaltestelle sammelten sich so nach und nach weitere Ausflügler und mit leichter Verspätung traf dann auch der Bus ein, ein etwas älteres Gefährt, das aber nicht klapprig und unsicher wirkte. Wir überreichten dem Fahrer unseren Obolus und suchten uns ein Plätzchen, von denen genug vorhanden waren – zum Glück, denn bei diesem Fahrstil wäre ich nicht gerne gestanden. Der Busfahrer muss wohl seinen Traum als Rennfahrer nie wirklich aufgegeben haben, so schneidig wie er selbst durch engste Gässchen und schmale Straßen sauste. Ein paar weitere Bushaltestellen, die allesamt an Hotels liegen wurden abgeklappert und nach ca. 20 Minuten hatten wir Kos-Stadt erreicht. Die Endstation, von der aus es auch wieder zurückgehen sollte lag direkt am

HAFEN



Der kleine Mandraki-Hafen ist nicht nur der Verkehrsknotenpunkt für den Fährverkehr zu vielen Inseln des Dodekanes und nach Bodrum in der Türkei sowie der Ort für die zentrale Bushaltestelle, sondern an und für sich schon eine Sehenswürdigkeit. Interessante Ausflugsschiffe ankern hier, an der Mole verkaufen Fischer ihre Ware (wo es dann auch durchaus etwas „fischelt“ und ich nicht wirklich einkaufen möchte), alles sieht sauber, hell und freundlich aus. Gegenüber der Hafenpromenade gibt es zahlreiche Cafés und Restaurants, deren Terrassen dazu einladen, sich zu setzen und das Treiben im Hafen zu beobachten. Gerade erst angekommen verzichteten wir aber drauf und nutzten den Hafen nur als Startpunkt, um die Altstadt und ihre weiteren Sehenswürdigkeiten zu erkunden. Die Mini-Bimmelbahn, die wir ebenfalls dort sahen ist sicher eine gute Option, um auf einer Rundfahrt die Stadt zu besichtigen – wir mögen es aber lieber zu Fuß und in unserem eigenen Tempo. 



Dieses führte uns nach einem kurzen Blick auf den kleinen Plan, den wir im Hotel bekommen hatte zum

PLATANEN-PLATZ (PLATIA PLATANOU)

auf dem man die „Platane des Hippokrates“ findet. Jeder dürfte schon einmal von diesem griechischen Gelehrten gehört haben und sei es auch nur durch den „Eid des Hippokrates“, den Mediziner in der originalen Form heute zwar nicht mehr leisten, der aber immer noch Einfluss und Bedeutung hat und ethische Werte vermittelt, die auch in der modernen Zeit gültig sind. Hippokrates wurde 460 v. Chr. geboren, er war Arzt, Philosoph und Rhetoriker. Besagte Platane soll er gepflanzt und darunter später seine Schüler unterrichtet haben. Damit müsste sie ein Alter von ca. 2400 Jahren haben, was nicht wirklich möglich ist. Vermutlich handelt es sich bei dem heutigen Baum um Ableger der ursprünglichen Platane, unter der auch Paulus das Christentum verbreitet haben soll. Das genaue Alter ist mangels fehlenden Kernholzes nicht möglich – der Stamm ist hohl und geweitet, besteht im Prinzip nur noch aus der Rinde. Damit die Äste wegen des schweren Eigengewichts nicht brechen, wurde die gesamte Krone mit einem Metallgerüst abgestützt. 



Ob nun wirklich Hippokrates darunter saß oder nicht: die Platane ist wirklich eine beeindruckende lebende Sehenswürdigkeit und der ganze Platz einfach wunderschön. Die Bauten rund um den Platz zeugen mit ihren Zwiebeltürmen und Verzierungen davon, dass Kos lange Zeit (400 Jahre) zum Osmanischen Reich gehörte. Anschließend (ab 1912) war die Insel von den Italienern besetzt, dadurch wirkt Kos-Stadt nicht wirklich „griechisch“.

Vom Platanen-Platz aus nahmen wir den „falschen“ Weg in Richtung Innenstadt, was sich später als vorteilhaft erweisen sollte – dazu am Schluss mehr. Durch einen Bogengang mit netten Souvenir-Geschäften, die nicht ganz so stark an die üblichen Touri-Schrott-Läden erinnern gelangten wir an hübschen Cafés und Restaurants vorbei auf die Platia Eleftherias. An diesem Platz befindet sich die

MARKTHALLE



Auf die ich als Souvenirjägerin  ja sehr gespannt war. Die Markthalle befindet sich am zentralen Eleftherias-Platz (Platz der Freiheit) und wurde 1934 von den Italienern, allerdings im arabischen Stil erbaut und ist heute voll klimatisiert. Das Gebäude wirkt von außen sehr groß und schön, ist sehr gepflegt. Geöffnet ist sie von Montag bis Freitag jeweils zwischen 7 und 21 Uhr, Samstag zwischen 7 und 17 Uhr und Sonntag zwischen 10 und 14 Uhr.

Ich erwartete etwas Ähnliches wie ich vor vielen Jahren im ungarischen Fonyod gesehen hatte: diverse Stände mit originalen und landestypischen Waren, Obst, Wurst und Käse, Keramik, Schmuck und so weiter, alles sehr geräumig und wenig touristisch ausgerichtet. Dementsprechend war ich ein wenig enttäuscht, als wir das Gebäude betraten und es im Inneren sehr viel kleiner und enger war, als das Äußere vermuten ließ und mir zudem als erstes typische Tourischrott-Souvenirs ins Auge fielen, die ich genauso gut im hoteleigenen Minimarkt erstehen hätte können.

Nun bin ich aber kein Mensch, der auf den ersten Blick urteilt und alles gleich in die Tonne kloppt, sondern der einen zweiten Blick wagt. Also betraten wir die Räumlichkeiten und siehe da: der zweite Blick lohnt sich durchaus. Man findet frisches Obst und Gemüse, interessante Konserven wie süß eingelegte Karotten, Minitomaten und Auberginen, Mandelmilch (die allerdings von Rhodos stammt), vielerlei Gewürze (ich liebe es!), Honig, Muscheln, Keramik… zum Stöbern und Gucken war die Markthalle doch um Einiges interessanter, als der erste Eindruck mich glauben ließ.
Dennoch kauften wir hier nichts, hätten wir das getan, hätten wir wie in einem Supermarkt an den beiden Ausgängen jeweils an den Kassen bezahlen können.



Der Plan war, auf alle Fälle auf diesem Ausflug Souvenirs für unsere Jungs zu besorgen, doch noch hatten wir ja nicht alles gesehen und gleich neben der Markhalle gehen diverse Seitenstraßen weg, in denen Laden an Laden zum Bummeln und Stöbern einlädt. Zuvor schauten wir uns aber noch ein interessantes Gebäude näher an, die

KIRCHE AGÍA PARASKEVÍ



Die Bischofskirche von Kos wurde 1932/33 erbaut und steht auf einer Terrasse oberhalb der Markhalle. Sie ist der Heiligen Paraskevi geweiht, eine griechische Märtyrerin, die zu Zeiten Kaiser Hadrians lebte. Im für griechische Kirchen dunklen Innenraum sind die Wände mit Malereien im byzantinischen Stil verziert, die Mitte bis Ende der 80ger Jahre entstanden und von koischen Familien gestiftet wurden. Riesige Kronleuchter, viel Gold, geschnitzte Bänke und Marmorsäulen beeindrucken den Betrachter. Ich persönlich sehe mir solche Kirchen gerne an, einerseits interessiert mich der künstlerische Aspekt, andererseits mag ich auch das gedämpfte Licht und die Ruhe, die in starkem Kontrast zum lebhaften Treiben draußen unter der grellen Sonne stehen.



Die Kirche ist täglich von 7-12 und von 17-20 Uhr zugänglich.

SOUVENIRS SOUVENIRS

Von Kitsch bis Kunst, von Massenware bis Edlem, von Gebrauchsgegenständen bis Dekostücke – hier findet man alles. Man kommt sich vor wie auf einem tunesischem Markt, nur dass die Händler nicht aufdringlich sind… bis auf einen, der alte Mann hatte diverse Schachspiele im Angebot und zog uns fast in seinen Laden, immer versichernd dass die Ware höchst wertvoll und nur wegen des Ausverkaufs zu solchen geradezu unter jeglichem Wert liegenden Schnäppchenpreisen zu haben sei. Nun brauchen wir aber kein Schachspiel und auch die in einem Nebenraum hängenden Badetücher mit Manchester-United-Aufdruck und Ähnlichem reizten uns nicht wirklich. Wir verließen das Geschäft und machten einen großen Bogen um den Herrn, als wir diese Straßen ein zweites Mal von der anderen Seite her durchliefen.



Angenehmer war der Besuch eines kleinen Geschäfts, in dem ich mir einen Flaschenöffner kaufte und den von mir ebenfalls ausgesuchten Kühlschrankmagneten aus Glas von dem sehr freundlichen Verkäufer/Eigentümer gratis dazu bekam.

Am Ende dieser Straßen befinden sich Restaurants mit großen Terrassen, die wirklich einladend aussehen. Auch das Essen, das ich auf diversen Tellern der dort sitzenden Gäste sah machte einen schmackhaften Eindruck. Da wir aber von unserem ausgiebigen Frühstück her keinen Hunger hatten, konnten uns auch die netten jungen Leute nicht überzeugen Platz zu nehmen, die uns freundlich ansprachen und zur Einkehr einluden. Aufdringlich war auch von diesen niemand und ich empfand die „Werbung“ nicht als unangenehm.

Statt zu essen wollten wir noch viel mehr sehen und suchten das

 
JOHANNITER-KASTELL NERATZIA

Selbst Menschen, die mit alten Ruinen weniger anfangen können, dürften eine Besichtigung als Highlight empfinden und sei es nur wegen der atemberaubenden Aussicht auf die Stadt einerseits und das Meer auf der anderen Seite.



Zunächst einmal mussten wir uns wieder auf die Suche machen, nicht nach der Festung selber, denn die ist östlich des Mandraki-Hafens gelegen nicht zu übersehen, sondern nach dem Eingang. Schnell wurde uns aber klar, dass wir wieder in Richtung des Platanen-Platzes mussten, nur diesmal nicht nach rechts weg. Wir hielten uns linker Hand und kamen an eine Brücke, die über eine breitere Straße (früher der Burggraben) direkt zum Eingangstor des Kastells führte. Normalerweise kostet der Eintritt für Erwachsene 3 Euro, an diesem Tag war es – warum auch immer – kostenlos. Gleich hinter dem Tor fragten wir uns, ob sich 3 Euro für ein paar alte Mauern und verstreut herumliegende Bruchstücke irgendwelcher Säulen überhaupt lohnen würden. Doch als wir weiter vordrangen, verpufften diese Zweifel schnell.


Es wird vermutet, dass die Grundlagen der Festung bereits in der Antike gelegt wurden. Sicher ist, dass es seit der byzantinischen Zeit existierte, im 14. Jahrhundert (ab ca. 1380) bauten die Johanniter, die zu der Zeit auf die Insel kamen die innere Festung. Ab Mitte des 15. Jahrhunderts wurde die Bedrohung durch das Osmanische Reich immer stärker und veranlasste den Orden, die Festung durch den Bau des äußeren Mauerrings zu verstärken. Dieser prägt bis heute das Stadtbild.

Im Inneren bewegt man sich wie in einem Freilichtmuseum, man entdeckt in den erhalten gebliebenen Mauern diverse Wappen der damaligen Großmeister. Wie schon erwähnt ist hier nichts geordnet und sortiert, sondern Säulenstümpfe, Statuen, Grabsteine oder Votivaltäre wurden einfach in die Landschaft gestellt. Zusammen mit traumhaften Bougainvilleen ergibt das ein wildromantisches Bild, das die Phantasie anregt. Erhaltene Türme und Zinnen, alte Treppen und Innenmauern lassen erahnen, wie dieses Kastell zu seiner Zeit wohl aussah und jeder mit nur etwas Vorstellungskraft sieht fast die Ritter, Pferde und das „Fußvolk“ vor seinem inneren Auge.



Wir dachten ja, da sind wir schnell einmal durch gelaufen, aber man muss in der Tat gut eine Stunde einrechnen, bis man über das ganze Gelände getigert ist und sich alles angeschaut hat. Das Panorama, das man ganz oben über die Zinnen zu sehen bekommt ist dabei einfach atemberaubend.
Direkt nach dem Eingang geht eine breite Treppe hinunter auf einen Platz, auf dem eine Informationstafel aufgestellt wurde: diese zeigt den Grundriss der Festung und einen erklärenden Text über die Geschichte. Sehr interessant, allerdings muss man des Englischen mächtig sein, wenn man kein Griechisch kann. Deutsch ist auf Kos nicht relevant, wie ich schon in meinem Hotelbericht erwähnte.



Die Öffnungszeiten der Festung sind Mai-Okt. Mo 13.30-20, Di-So 8-20, Nov. -Apr. Di-So 8.30-14.30 Uhr. Direkt hinter der Festung befindet sich übrigens das strahlend weiße, orientalische Gerichts- und Verwaltungsgebäude der Hauptstadt, der Esparchio.

NOCH LANGE NICHT ALLES

was man in Kos-Stadt an sehenswürdigen Dingen zu sehen bekommen kann, hatten wir danach gesehen. Etwas außerhalb der Altstadt gibt es zum Beispiel noch die westlichen Ausgrabungsstätten oder die Casa Romana (eine römische Villa aus dem 13.Jh.), mit dem Bus erreichbar könnte man auch den Tempel des Asklepieion besichtigen (ca. 4km entfernt), eine der ältesten Kuranlagen aus dem 4.Jh. vor Christus (diese soll allerdings sehr überlaufen sein).

Wie auch immer, wir waren nach mehreren Stunden doch etwas erschöpft und auch geistig absolut nicht mehr aufnahmebereit. Unser Weg führte deswegen zurück auf den Platanen-Platz zu einem kleinen Café, wo wir sehr freundlich bedient wurden und uns mit einem schönen Glas Weißwein bzw. Weizenbier erfrischten. Zuvor hatten wir noch in einem kleinen Laden in dem bereits zu Anfang erwähnten Bogengang ein paar schöne und günstige Mitbringsel von einer ausgesprochen netten Verkäuferin erstanden.



Anschließend ging es zurück zur Bushaltestelle am Hafen, wo wir Ausschau nach dem richtigen Bus hielten, mein Mann fragte an dem dort bereits stehend… und das Gespräch ist jetzt wirklich eine Anedokte:

Männe fragte also den Busfahrer, ob der Bus nach Tigaki fahren würde. Der Rasende Roland (in der Tat derselbe wie auf der Hinfahrt) verneinte dies, mein Mann bedankte sich und wollte sich shcon abwenden, da fragte RR nach, in welches Hotel wir denn wollten. Mein Mann nannte das unsrige (das ja in Tigaki liegt) und RR teilte ihm daraufhin mit, dass er dort schon hinfahren würde. Die Busse fahren auf Kos wohl also nicht in bestimmte Orte oder Straßen, sondern zu bestimmten Hotels. Muss man sich merken, wenn man mit dem Bus dort zu einem bestimmten Ziel fahren möchte *g*.

FAZIT

Nach etwas mehr als einem halben Tag kamen wir wohlbehalten und voll von schönen Eindrücken wieder im Hotel an. Kos-Stadt ist wirklich sehr schön und gepflegt, wenn auch nicht typisch griechisch, sondern stark italienisch und von den Osmanen geprägt. Es gibt viel zu sehen, die Menschen sind ausgesprochen freundlich. Ich könnte mir auch vorstellen, mal abends in die Hauptstadt zu fahren und auf der Terrasse einer der zahlreichen schönen Bars und Tavernen das Treiben zu beobachten. Das würde kein Problem darstellen, da die Busse auch in den Abendstunden bis Mitternacht fahren.

Nach dem Hotel war nun also auch noch unser Ausflug ein voller Erfolg, so dass ich euch Kos als Urlaubsziel wirklich mit 5 Sternen genauso wie einen Ausflug in die Hauptstadt empfehlen kann.

Liebe Grüße
Eure Kerstin