Montag, 20. Februar 2017

SPIELT DAS ALTER (K)EINE ROLLE? - GEDANKENSPIELE

Hallo ihr Lieben,

nun mache ich meine Drohung aus dem ersten Blogpost 2017 wahr und berichte heute nicht über ein Produkt, sondern lasse euch an Überlegungen teilhaben, die mir in den letzten Tagen durch den Kopf gegangen sind. Ich hoffe, ihr habt dabei genauso viel Freude am Lesen wie bei meinen Testberichten.

Nicht alle Gedanken müssen auch in die Öffentlichkeit getragen werden, ausschlaggebend für diesen Artikel hier war nun der letzte Samstag, da waren wir mit Freunden nämlich unterwegs als

GRUFTIS AUF DEM FASCHINGSBALL

in unserem Ort. Das bedeuted nicht, dass wir als Gruftis verkleidet waren, sondern dass wir mit unserer Anwesenheit den Altersschnitt extrem angehoben haben - wir waren definitiv die Ältesten im Saal. Ein Problem?

Auf geht´s zum Faschingsball


Nicht im Geringsten, auch Ü50 kann man Spaß haben, tanzen, Sekt trinken und mit Leuten reden. Auch mit sehr viel jüngeren. Die Angestellte meiner Friseurin, die gerade mal halb so alt ist wie ich, fiel mir um den Hals und fand es super, dass ich da war. Mit dem einen oder anderen, den wir bereits kennen, seit sie kleine Stöpsel waren, haben wir zusammen an der Bar einen Drink genommen. Okay, mein Mann nahm´s etwas erschrocken, aber mit Humor hin, dass ihn ein junges Mädchen mit "Sie" ansprach und unsere Nichte (30) freute sich mit einem "Jetzt bin ich nicht mehr die Älteste hier", als er in der Bar auftauchte. Amüsiert hat mich eine Bekannte ebenfalls um die 30, die meinte, sie wisse nicht, ob sie nächstes Jahr nochmal gehen würde: "Ich glaub, ich bin langsam zu alt dafür, bei den ganzen Kindern hier".

Nie zu alt zum Feiern ;-) - Verena N.  / pixelio.de


Ist man das? Oder ist man so alt, wie man sich fühlt? Auf dem Ball habe ich mich wohl und absolut nicht fehl am Platz gefühlt. Ich hatte letztes Jahr auch kein Problem damit, 50 zu werden, auch wenn es etwas irritierend ist, wenn einen eine 50-jährige aus dem Spiegel anschaut, während man innen drin doch noch 30 ist ;-).
Mit 50+ ist man aber anscheinend doch alt, zumindest wenn man dies betrachtet:

DIE WERBERELEVANTE ZIELGRUPPE

2010 hieß es in einem Artikel der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung:

"Glaubt man den smarten Werbeleuten, dann ist der 49. Geburtstag kein Tag, den man feiern sollte. Wer 49 ist, dem bleibt noch ein Jahr bis zur Bedeutungslosigkeit, dann ist er egal – zumindest in seiner Eigenschaft als Konsument. Es interessiert nicht mehr, welche Fertigpizza bei ihm daheim wie beim Italiener schmeckt, welches Shampoo seinem Haar dreimal mehr Volumen verleiht, welche für ihn die längste Praline der Welt ist. Natürlich wird dem Ü-49-Jährigen nicht das Grundrecht auf Konsum genommen, aber er gehört nicht mehr zur „werberelevanten Zielgruppe“."

Michael groß  / pixelio.de


Liest man andere und neuere Artikeln im Netz, so hat sich das im Zuge des demographischen Wandels verändert. Die Generation 50+ bilden die am stärksten wachsende Gruppe der Bevölkerung und haben eine höhere Kaufkraft als alle Jüngeren. TV-Macher, Medienspezialisten und Markenanbieter stellen sich angeblich deswegen um und sehen neben der bisherigen Zielgruppe auch die 20 - 59jährigen als werberelevant an. Ob das so stimmt, wage ich zu bezweifeln und habe mir in den letzten Tagen TV-Werbung gezielt angesehen.


Tatsächlich erscheinen gefühlt mehr "Alte" darin, doch für welche Produkte halten diese ihr Gesicht in die Kamera?

Der Enkel ist happy, weil die Oma dank der Schmerzsalbe wieder mit ihm herumtoben kann. Eine Dame (geschätzt 40) freut sich, weil dank Always discreet niemand mehr merkt, dass sie in die Hose pieselt, eine deutlich ältere Damen kann mit Tena-Lady wieder ungehindert mit dem Enkel toben (diese Enkeltoberei hat anscheinend Konjunktur). Bei Fielmann dürfen ältere Menschen ihre Sehschwäche günstig korrigieren, andere haben ein "Kind im Ohr".



Autos, Burgerketten, Fernseher, Smartphone/tarife, Kosmetik (abgesehen von Cremes "für die reife Haut") dagegen? Fehlanzeige, es sei denn, man bringt für den Schmunzler reichlich skurrile Alte ins Bild.

Eigenwilliger Opa in der Mediamarktwerbing




Nun muss ich mir das ja nicht ansehen und somit betrifft es mich auch nicht. Und dennoch überlege ich: wie ist das dann eigentlich mit den


NEUEN MEDIEN?

Im ersten Blogpost 2017 hatte ich bereits zur Sprache gebracht, dass ich auf einigen Plattformen überhaupt keine Zusagen mehr für Produkttests erhalten habe. Natürlich kann man nicht ständig zu den Auserwählten gehören, wenn sich 2000 und mehr Bewerber/innen für 50 - 300 Testprodukte anmelden, aber im Jahr zuvor war ich doch zwei oder dreimal dabei, dann gar nicht mehr. Ich war nicht weniger interessiert und offen, nicht weniger engagiert gewesen, ich kann immer noch gut schreiben, habe Blogleser/innen... was hatte sich geändert? Ich gab es auf, darüber nachzudenken, eine Antwort würde ich sowieso nicht bekommen. Doch dann machte es wegen eines aktuellen Ereignisses "Pling" - ich war 50 geworden und somit "werberelevant" in der Bedeutungslosigkeit versunken - kann es das sein?

Thorben Wengert  / pixelio.de


Das aktuelle Ereignis trug sich bei den Konsumgöttinnen zu, die nach 2016 zum zweiten Mal Konsumgöttinnen-Youtuberinnen suchte. Drei Frauen, die bei mindestens 3 Projekten exklusiv für den Youtubekanal der Plattform Videos erstellen sollen. Vorgabe: keine, man brauche nicht einmal einen eigenen Kanal mit vielen Abonnenten haben.
2016 hatte ich mich noch nicht getraut, aber da ich mittlerweile ein wenig Erfahrung auf meinem Kanal gesammelt hatte und sogar eine persönliche Email bekam, dass ich mich doch bewerben solle, wagte ich es und schickte ein Bewerbungsvideo.

Und bekam eine Absage. Neugierig schaute ich nach, wer denn ausgewählt wurde, schaute auch noch nach, wer es im letzten Jahr gewesen war. Und siehe da... lauter junge Frauen. 2016 waren die Damen 22, 25 und 26 Jahre alt, dieses Jahr ist eine der drei mit 35 schon fast scheintot, die andere 25 und die dritte nennt ihr Alter nicht, ist aber auch keinesfalls bereits 30. Alle haben ans Profihafte grenzende eigene Youtubekanäle mit Abonnentenzahlen von 1000 bis 16 000. Da kann ich mit meinen 237 nicht gegen anstinken.

Die Konsumgöttinnen-Youtuberinnen 2016


Versteht mich nicht falsch, ich bin nicht der Meinung, dass ich ausgesucht hätte werden müssen. Aber soll ich glauben, dass sich sonst keine einzige Konsumgöttin Ü40 beworben hat? Diese Auswahl spiegelt in keinster Weise die Vielfalt in unserer Gesellschaft wieder und ich gehe auch davon aus, dass innerhalb der Community eine größere Vielfalt an Frauen jeglichen Typs und Alters vertreten ist, die sich hier nicht zeigt.

Die Konsumgöttinnen-Youtuberinnen 2017


Ist es dann ein Wunder, wenn sogenannte "Best Ager" das Internet zwar rege nutzen, mir aber sagen, dass sie an Blogs und Videos kein Interesse haben? Ich denke nicht, denn es fehlt dort einfach die Identifikationsmöglichkeit. Was soll mir eine 25-Jährig mit komplett anderen Bedürfnissen und Lebensumständen auch über Kosmetik oder Haushaltsgeräte erzählen, das für mich relevant wäre?
Ich lese gerne auch Blogs jüngerer Kolleginnen, die gut schreiben, aber am Interessantesten sind für mich immer die Blogs von Frauen, die zumindest annähernd meinen Lebensabschnitt teilen.
Ich finde es schade, dass Plattformen und Hersteller von Markenprodukten anscheinend immer noch an der kaufkräftigsten Gruppe der Bevölkerung vorbei arbeitet und kann mir nur wünschen, dass sich das irgendwann einmal ändert - zum alten Eisen gehören wir nämlich noch lange nicht.

Ungeschminkt: Ich kann noch keinen groben Rost erkennen ;-)





 

ZUM SCHLUSS

würde ich diesmal mehr denn je gerne eure Meinung hören. Seht ihr das alles genauso oder leide ich vielleicht doch unter Altersparanoia? ;-) Schreibt mir doch als Kommentar, was ihr darüber denkt.

Liebe Grüße
Eure Kerstin




Donnerstag, 9. Februar 2017

MACHT MICH DETLEF SEXY? BODY-CHANGE AUF DEM PRÜFSTAND (10WBC)


 Hallo ihr Lieben,

bei trnd gab es die Möglichkeit, das Programm "Body-Change" von Detlef Soost zu testen, manchen von euch könnte es auch als Imakeyousexy aus der TV-Werbung bekannt sein. Ich bin ja alles andere als ein Fan von Herrn Soost, aber da ich ein neugieriger Mensch bin, hinter die Werbekulissenschauen wollte und man nie ein Buch nach seinem Cover beurteilen soll, bewarb ich mich und durfte mitmachen.

Das Einführungsvideo


Leute, das ist mir wirklich noch nie passiert, dass ich ein Produkte teste und nichts, aber auch rein gar nichts Positives finden kann. Ich versuche ja immer, objektiv zu sein, über meinen Tellerrand hinaus zu schauen und mir auch zu überlegen, für wen das Getestete etwas sein könnte, wenn es schon für mich nicht taugt. Und so habe ich auch hier gesucht und gesucht... aber nichts gefunden.

Vorab noch: das 10-Wochen-Programm kostet für Otto Normalverbraucher 89,70 Euro, dafür muss meiner Meinung nach durchaus etwas geboten werden. Dann schauen wir mal nach und fangen an mit dem

KONZEPT



Es basiert laut Homepage auf 70% „richtiger“ Ernährung, 30% Bewegung und 100% Motivation, also auf 200% ;-)

Bei der Ernährung handelt es sich im Grunde genommen um eine verschärfte Form der Low-Carb-Diät, bei der auf kohlehydratreiche Lebensmittel wie Zucker, Brot, Nudeln und Kartoffeln verzichtet wird und die es in Variationen schon seit Jahrzehnten gibt (z.B. die Atkins-Diät, Glyx-Diät, Hollywood-Diät). Bei der sogenannten Slow-Carb-Diät wird zusätzlich auf Milchprodukte und Obst verzichtet. Auch dies ist nicht neu, sondern eine „Erfindung“ des US-amerikanischen Autors und Unternehmer Tim Ferriss, der diese Ernährungsform in seinem 2010 erschienenen Buch „The 4-hour Body“ propagiert.


Ernährungsbausteine

Unterschieden wird zwischen erlaubten Lebensmitteln (Fisch, Fleisch, Wurst, Eier, Gemüse, Pilze, Hülsenfrüchte, Nüsse, Samen & Kerne, an Getränken ungesüßter Tee, Kaffee und Wasser), Abnehm-Verhinderern (Zucker, Mehl, Reis, Kartoffeln, Pommes, Müsli, Brot, Nudeln, Obst, Milchprodukte, gesüßte Getränke und Obstsäfte) und Turbos, die man jeden Tag essen sollte („Ingwer, Senf, Zitrone, Chili, Meerrettich, Grüner Tee, Koffein, Eigelb, Avocado, Wasabi und Zimt unterstützen deine Fettverbrennung“).

Den Tag sollte man durchweg mit einer Portion Rührei oder Omelett beginnen, Eier sind ganz allgemein seligmachend. Ein Glas Rotwein am Abend ist erlaubt. Bei den Milchprodukten und Obst gibt es die Ausnahme, dass nach dem Sport eine kleine Portion als Energielieferant erlaubt ist.

Einmal in der Woche hat man den sogenannten „Load Day“, an dem man essen darf, soviel und was man will und seien es drei Stück Torte und zwei Tafeln Schokolade plus eine Riesenportion Spaghetti mit Sahnesauce.

Da man sich in der ersten Woche auf die Ernährungsumstellung konzentrieren soll, kommen sportliche Betätigungen in Form von Workout-Videos erst ab der zweiten Woche dazu. Zweimal 20 Minuten Sport in der Woche reichen laut Herrn Soost absolut aus, dazu kommt allerdings die „Daily Routine“ – dazu später mehr.

Meldet man sich nun zu diesem Programm an, bekommt man Zugang zum Mitgliederbereich und kann nun mit dem 10-Wochen-Programm starten, bei dem man angeblich indiviuell und stetig betreut wird. Unter anderem auch durch eine

COMMUNITY


Eine solche ist bei solchen Programmen ja immer hilfreich, ich kenne das aus bereits getesteten Online-Fitnessstudios (pur-Life) oder Portalen für Fitness und gesundes Leben (GU-Balance). Nur dass es hier nicht wirklich eine Community ist, sondern man lediglich auf die Facebookseite von Body-Change geleitet wird. Wo man Vorher-Nachher-Bilder und diverse Motivationsvideos ungeordnet untereinander sehen, da auch kommentieren oder mal was nachfrage kann… wie auf Facebook eben so üblich und alles schön öffentlich.

Community? Facebookseite!


Ich glaube nicht, dass jeder seine Gewichtsprobleme mit dem gesamten Freundeskreis und der ganzen Welt teilen möchte. Und nicht jeder ist bei Facebook angemeldet oder möchte das wegen BC nachholen. Eine richtige Community ist für mich bei so einem Portal etwas Anderes und für den Preis, den man hier zahlt, kann man eine betreute Community direkt auf der Plattform meiner Ansicht auch verlangen.

Verlangen kann man auch professionell gemachte 

VIDEOS


Das Einführungsvideo auf der Homepage vor der Anmeldung ist noch sehr professionell gemacht und durchaus dazu geeignet, den Abnehmwilligen „auf den rechten Weg zu führen“ und zur Anmeldung zu verleiten.

Doch was bekommt man anschließend an Videos geboten? Es gibt quasi dreierlei Arten: Info- und Motivationsvideos, Kochvideos und Workoutvideos. Und die sind nun alle von dermaßen schlechter Qualität, dass sich mir die Zehennägel aufrollen. 

Workoutvideo


Die Info/Motivationsvideos als auch die Workoutvideos wurden in einem Raum gedreht, der anscheinend ein Büroraum in einem hohen Gebäude liegt und bodentiefe Fenster hat. Hier ist der Ton dermaßen leise und schlecht, dass ich die Lautstärke an meinem Laptop auf 100% hochfahren und trotzdem noch ganz genau hinhören muss, um etwas zu verstehen (normalerweise steht die Lautstärke beim Läppi auf 45 – 50%). Toll ist es, wenn ich danach vergesse, wieder zu reduzieren und mir ein x-beliebiges Video auf anderen Seiten oder ein Musikstück reinziehen möchte… da platzt das Trommelfell.

Herr Soost verspricht ja, dass er dich individuell unterstützt, coacht und begleitet. In den Videos gibt es jeweils 2 Kameras: eine, die Herrn Soost frontal filmt und eine Kamera, die von der Seite aufnimmt. Nun schaut Herr Soost grundsätzlich nur in die Frontalkamera und nicht in jeweils die Kamera, die gerade aktiv ist. Rein psychologisch ist es ein Fehler, wenn ich ihn ab und zu von der Seite anschauen darf, während er weiterhin geradeaus spricht – wo er doch eigentlich „mit mir“ redet.

Kochvideo

Bei Kochvideos richtet sich die Frontkamera abwechselnd in Nahaufnahme auf das Gesicht von Herrn Soost und auf die Lebensmittel vor ihm. Zu häufige Schwenks machen das ganze unruhig, zudem sind sie teilweise auch ziemlich unkoordiniert, so dass zum Beispiel auch öfter mal die Glatze des Coaches begutachten darf, weil er gerade nach unten schaut oder sogar statt Gesicht oder Kochplatte eine Weile der Bauch von Herrn Soost im Bild ist, weil der Kameramann anscheinend nicht weiß, wohin er soll. Wie schön wäre es doch, nur die Seitenkamera in Aktion zu haben, auch wenn ich mich damit nicht persönlich angesprochen fühle.
Auch hier gibt es Videos mit unterirdischer Tonqualität: es hallt, scheppert und brummt, dass die Ohren bluten.

Als „Hobby-Youtuberin“ kann ich von mir sicher nicht behaupten, meine Videos seien absolut professionell, aber wenn ich so etwas in die Öffentlichkeit stellen würde, würde ich mich schämen. Für diese billigste Machart Usern 89 Euro abzuknöpfen ist respektlos und ein Unding.

Aber vielleicht gibt es ja dafür eine riesige Menge an tollen Ideen für

REZEPTE


sind meines Erachtens das A und O für so eine Diät… Entschuldigung, „Ernährungsumstellungs-Plattform“. In der ersten Woche erhält man einen Link, der zu einem Rezeptbuch in PDF-Form führt. Dort gibt es Rezepte für Eiergerichte (8 Stück), Brot und Brötchen (4), Snacks (4), Suppen und Eintöpfe (8), Salate (8), Fleischgerichte (8), Fischgerichte (8), Getränke (4) und Obst-Milch-Bausteine (8).
Meiner Ansicht nach sind das viel zu wenig Rezepte, um sich sein persönliches Ernährungsprogramm zusammen zu stellen. Man mag ja nicht immer alles, so dass das eine oder andere Rezept schon mal nicht in Frage kommt. Für Rührei mit Krabben oder Schinken und Pilzen brauche ich wirklich kein Rezept und ich denke, sogar Kochanfänger würden das ohne Rezept hinbekommen. Auch gekochte Eier, Cocktailtomaten und Feldsalat mit Essig und Öl zu beträufeln bringt mir keinen Aha-Effekt. Auf die Idee, Putenstreifen anzubraten und mit gekochtem Brokkoli zu verzehren, könnte man ebenfalls ohne Rezept kommen und das gut hinkriegen. 

Rührei mit Krabben - eigenes Rezept


Aber es sollen ja mit den Wochen noch mehr Rezepte dazu kommen. In Woche 2 gibt es in der Tat noch 11 Frühstücksrezepte. Das war´s dann aber, ansonsten kann man schon neue Rezepte erhalten… wenn man sich im Shop das Kochbuch kauft. Neue Rezepte soll es auch auf der Facebookseite geben, aber alles, was ich da finde ist Werbung (Vorher-Nachher-Bilder, die Katzenberger hat abgenommen und Shakes Shakes Shakes mit Link zum Shop).

Zusätzlich zu den Rezepten bekommt man in der ersten Woche noch einen Beispiel-Ernährungsplan, in dem die Rezepte einfach über 14 Tage auf die Mahlzeiten verteilt sind, inklusiver einer Einkaufsliste dafür. Individuell ist hier gar nichts, aber es handelt sich wie gesagt um einen BEISPIEL-Plan. Außerdem werden in einer weiteren PDF „Beschleuniger“ (Lebensmittel, die beim Abnehmen helfen), „Verhinderer“ (Verbotene Lebensmittel) und „Turbos“ (Lebensmittel, die den Stoffwechsel erhöhen und einen noch schneller abnehmen lassen) aufgeführt. Eine Liste, auf der man nachschauen kann, ob ein bestimmtes Lebensmittel (z.B. Agavendicksaft) „bodychange-konform“, also erlaubt ist, gibt es leider nicht.

Räuberrouladen mit Paprikakraut - eigenes Rezept


Was mich am meisten stört ist neben dem Fehlen einer solchen Liste die Tatsache, dass es die Rezepte weder in Druckversion noch in einer App gibt. Möchte man etwas nachkochen und nicht den Laptop oder PC mit in die Küche schleppen, muss man sich das gewünschte Rezept umständlich kopieren und ausdrucken. Bei dem Preis, den das Programm kostet, wäre für mich eine App oder zumindest eine Druckversion angemessen. 


WAS IST DENN NUN DIE DAILY ROUTINE?
Diese tägliche Routine soll helfen, das Konzept zu verinnerlichen, damit man es schnell ganz automatisch umsetzen kann. Diese Routine besteht darin, dass man morgens aufsteht, sich als erstes die Zähne putzt und danach 2X20 Übungen durchführen. In der ersten Woche sind das 20 Kniebeugen und 20 Crunches (ihr wisst nicht, was Crunches sind? Wusste ich auch nicht, sind wohl Situps), in der zweiten Woche 20 Lunges (häh?) und 20 Bicycle-Crunches, in der dritten… gibt es keine Vorschläge mehr dazu. Die Übungen sieht man übrigens nur als Foto, wenn man nicht weiß, was genau das ist und wie genau es geht, muss man Tante Google zu Hilfe nehmen und sich mit fremden Videos schlau machen. Wozu sollte BodyChange sich die Mühe machen, das genau zu erklären oder zu zeigen, wenn man es anderen überlassen kann? Vielleicht, weil BC viel Geld von uns verlangt?  


MEINE PESÖNLICHEN ERFAHRUNGEN

möchte ich kurz fassen. Nach dem Anmelden trug ich als erstes meine Daten ein, um anschließend zu lesen, zu lesen, zu klicken, zu suchen, zu lesen. In keinem anderen Programm musste ich zuvor so viel lesen und suchen, um einsteigen zu können. Aber vielleicht hilft das ja auch dabei, sich das Ganze zu verinnerlichen, so mein noch positiver Gedanke.

An der Daily Routine scheiterte ich gleich mal, weil ich ein Morgenmuffel bin, der erst nach 2-3 Tassen Tee starten kann... später hatte ich dann aber keine Lust mehr darauf. 

Rührei mit Pilzen - eigenes Rezept


Ebenso scheiterte ich an den Eiern: Am ersten Tag war meine erste Mahlzeit ganz brav Rührei aus zwei Eiern mit Krabben ohne Brot. Ich mag Eierspeisen eigentlich, aber ohne Brot kriege ich so eine Portion nur schwer runter. Die restlichen Mahlzeiten wählte ich ganz individuell mit erlaubten Lebensmitteln ohne BC-Rezepte, weil mir da nicht wirklich was zusagt.

Am zweiten Tag bereitete ich mir wieder aus zwei Eiern, Pilzen und Schinken eine Frittata zu, die ich ab der Hälfte nur noch mit Widerwillen in mich reinstopfte. Danach war mir schlecht. So schlecht, dass ich bis zum Abend gar nichts mehr essen mochte und mich da dann auf ein kleines Rückensteak mit Salat beschränkte. Am dritten Tag musste ich nur an Eier denken und hatte schon Magengrummeln. Ich vertrage einfach keine Eier ohne Brot dazu und schon der Gedanke, dass ich laut Einkaufsliste 20 Eier in einer Woche essen soll… 

Die Rezepte brachten mich nicht weiter, Rührei kann ich auch ohne Rezept kochen und variieren, der Rest sagt mir kein bisschen zu. Kichererbsennudeln habe ich probiert - die Dinger schmecken so widerlich, da kann man gleich aufgeweichte und zerbröselte Pappe essen.

Die Workouts in der dritten Woche sind in meinen Augen ein Witz: Ich bin alles andere als sportlich, aber ins Schwitzen bin ich absolut nicht gekommen und habe mich richtig gelangweilt beim Turnen. Okay, vielleicht ist eine 120-Kilo-Frau froh, wenn sie gerade mal die Arme heben und senken und 10mal in die halbe Hocke gehen muss, aber selbst die würde dabei sicher nicht so ins Schwitzen kommen wie Herr Soost, dem das Wasser herunterläuft – weil er die Muskeln im ganzen Körper unglaublich anspannt, wie er uns erklärt.

Eine Übung im Liegestütz (den "Bergsteiger") war ein klitzekleines bisschen anstrengender, aber diese von vorne statt von der Seite zu zeigen, so dass man nicht genau erkennen kann, wie weit Herr Soost das Knie nach vorne zieht oder wie tief er in den Stütz geht, ist wirklich gut durchdacht (Ironiemodus!). 

Über die Qualität der Videos muss ich mich ja nicht mehr auslassen, ist klar, dass mich die genervt hat, genauso wie die Art von Herrn Soost, wenn er zum Beispiel von "Fettfresser-Vampiren" erzählt, die durch unsere Bewegungen zur Arbeit in unserem Körper animiert werden (ja sind wir denn im Kindergarten???).

Am Meisten ärgerte mich aber, dass man ständig über irgendwelche Links oder auch mit zahlreichen Emails dorthin geleitet wird, wo man teuer einkaufen soll:

DER SHOP


„Keine Geldmacherei“ heißt es im Infovideo auf der Homepage vor dem Login. Nun ja, es ist ja dennoch nicht verboten, eine Einkaufsmöglichkeit anzubieten, nicht wahr? Allein auf der Startseite im Mitgliederbereich gibt es drei Hinweise (Buttons), die direkt zum Shop führen (zwei davon – „Die besten Abnehmtricks“ und „Aus aller Welt – die besten Body-Change-Rezepte“ – ohne dass man es vorher erkennen könnte, dass man da nur einkaufen soll). Unterschwellig bekommt man auch ständig vermittelt, dass es mit den BC-Produkten noch schneller und noch besser und noch leckerer geht... 

Startseite Mitgliederbereich - gleich zwei versteckte Links zum Shop


Im Shop gibt es Protein-Shakes und Fertiggerichte, Low-Carb-Backmischungen und Zuckeralternativen, Kochbücher, DVD´s und Workout-Zubehör.
Ich habe nicht vor, dort auch nur einen Cent liegen zu lassen, aber ich habe natürlich mal reingeschaut und auch ein paar Preise verglichen:

100g Falafelmischung zum Selberbacken von Falafel kostet 71ct bei dm  - 1 Euro im BC-Shop.
500g Kichererbsen kosten 1,75 Euro bei dm / 2,99 Euro im BC-Shop.

Ganz toll sieht es bei den Shakes aus: der I-make-you-sexy-Shake im BC-Shop kostet sage und schreibe 24,90 Euro für 300g (83 Euro / kg), ein vergleichbarer Shake von Layenberger 8,95 Euro für 360g (24,86€ /kg). Ich gebe zu, ich kenne mich mit Protein-Shakes nicht wirklich aus, vielleicht ist etwas, das es bei dm gibt ja qualitativ schlechter. Deswegen habe ich mich ordentlich im Netz umgesehen, auf Fitness- und Sportlerseiten nach anderen empfohlenen Proteinshakes umgesehen… letztendlich habe ich keinen einzigen gefunden, der mehr als 40 Euro pro Kilogramm gekostet hätte (und das war schon der absolute Ausreißer nach oben).

FAZIT

Ich habe diesen Bericht entgegen meiner Gewohnheit zuerst bei CIAO veröffentlicht, weil er so dermaßen lang wurde, dass ich ihn für hier erst herunterkürzen musste. Wer noch mehr Details lesen möchte, kann also gerne HIER noch mehr erfahren. 

Zusammengefasst:
man zahlt eine Menge Geld für ein paar qualitativ schlechte Videos billigster Machart, null Indiviualität/Betreuung, eine Handvoll Rezepte, KEINE Community auf der Plattform.
Ich komme mir nicht vor wie in einem guten, nutzerorientierten Programm zum Abnehmen und Fitterwerden, sondern wie in einer TV-Verkaufssendung. Zahlreiche Links auf Ratschläge, neue Rezepte u.a. führen stets in den BodyChange-Shop, wo man überteuerte Produkte kaufen kann/soll. Links in der „Community“ (sprich auf Facebook) führen in den Shop. Egal, was ich mache, früher oder später lande ich im Shop.

Und noch ein Link zum Shop, statt hilfreicher Tipps für lau
 


Ernährungsumstellung? Kann man so verkaufen, klar und es ist vielleicht auch so, wenn man sich bisher sein Leben lang von Fast Food, Fertiggerichten, Zuckerhaltigem und Maggi-Fix ernährt hat. So jemand lernt nun zum ersten Mal, frisch zu kochen (wenn er sich nicht im Shop mit konformen Fertiggerichten eindeckt). Aber mir kann kein Mensch erzählen, dass jemand, der an gutem Essen und Vielfalt einen Genuss hat, sich nun sein Leben lang nur mit Eiern, Fleisch, Fisch und Gemüse ernährt und nur an einem festen Tag in der Woche die Wampe mit dem voll haut, was er sonst noch gerne isst. Zumal das schweineteuer ist. Und wenn man das Ganze nur die 10 Wochen durchzieht, ist es nicht mehr und nicht weniger als eine Diät! Mit Jo-Jo-Effekt wie jede andere Diät auch.

Ich wüsste nicht, wem ich dieses Programm empfehlen sollte, im Gegenteil, ich kann nur abraten. 
Gebt euer Geld für ein paar gute (Low Carb) Kochbücher aus, wenn ihr wirklich von alleine da nicht klarkommt. Sucht euch im Netz ein paar gratis Workout-Videos heraus (zum Beispiel bei gofeminin), vermeidet Fertiggerichte, Maggi-Fix und Co., reduziert Schokolade und Chips und schaut einfach danach, nicht mehr als euren Grundumsatz an Kalorien (Abnehmen) oder euren Leistungsumsatz zu euch zu nehmen (Gewicht halten), dann habt ihr mehr davon für weniger Geld. Und wenn ihr total unsicher seid und ein Programm wollt und braucht: pur-Life, fitnessraum.de, GU-Balance, gymondo… all das ist besser und billiger als BodyChange. 

Über eure Ansichten dazu, Erfahrungen, die ihr vielleicht mit solchen Programmen gemacht habt, eure Tipps zum Abnehmen und Fitbleiben würde ich mich freuen, schreibt es in die Kommentarspalte.

Liebe Grüße
Eure Kerstin